Der starke Zuwachs bei Wärmepumpen stellt das SHK-Handwerk vor neue technische Realitäten. Viele Anlagen sind korrekt geplant und installiert und verlieren dennoch schon nach wenigen Jahren spürbar an Leistung oder fallen ganz aus. Eine Ursache wird dabei häufig übersehen: die Qualität des Wassers im Heizsystem.
Unsichtbarer Risikofaktor im Heizkreis
Systemwasser wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, hat aber großen Einfluss auf den Betrieb einer Wärmepumpe. Enthält es zu viel Sauerstoff, Schmutz oder gelöste Metalle, entstehen Korrosion und Ablagerungen. Besonders empfindlich reagieren Bauteile wie der Plattenwärmeübertrager und der Kompressor. Werden diese durch Rostpartikel oder Magnetit belastet, verschlechtert sich die Wärmeübertragung deutlich. Die Anlage benötigt mehr Strom, um die gleiche Leistung zu erzielen, und arbeitet zunehmend ineffizient.
Auch Luft im Heizkreis ist problematisch. Sie sammelt sich bevorzugt in Wärmeübertragern und kann diese teilweise blockieren. Die Folge ist eine sinkende Jahresarbeitszahl. Für Betreiber zeigt sich das in höheren Stromkosten, für Handwerksbetriebe in aufwendigen Fehlersuchen.
Typische Schäden aus der Praxis
In der Praxis häufen sich Fälle, in denen Kompressoren bereits nach drei bis fünf Jahren ausfallen. Das ist für Wärmepumpen ungewöhnlich früh und fast immer ein Hinweis auf Probleme im Systemwasser. Durch Ablagerungen kann die Umweltwärme nicht mehr ausreichend aufgenommen werden. Der Kompressor muss stärker arbeiten, wird überlastet und verschleißt schneller.
Daneben treten weitere Schäden auf, die vielen Fachkräften aus klassischen Heizsystemen bekannt sind: blockierte Ventile, defekte Pumpen oder fehlerhafte Wärmemengenzähler. Bei Wärmepumpen wirken sich diese Störungen jedoch besonders stark auf Effizienz und Betriebssicherheit aus.
Ablagerungen wirken wie Dämmung
Um Kundinnen und Kunden die Bedeutung der Wasserqualität verständlich zu machen, helfen einfache Vergleiche. Kalk und Korrosionsprodukte bilden im Inneren der Anlage eine Art Isolierschicht. Schon sehr dünne Ablagerungen reichen aus, um die Wärmeübertragung spürbar zu behindern. Untersuchungen zeigen, dass eine Kalkschicht von nur 0,1 Millimetern die Leistung um rund 15 Prozent senken kann. Bei stärkeren Belägen sind sogar drastische Einbußen möglich.
Korrosion entsteht vor allem dort, wo Sauerstoff ins System gelangt, etwa durch falsche Druckhaltung oder häufiges Nachspeisen von Frischwasser. Kalk wiederum hängt stark von der Wasserhärte ab und lagert sich bevorzugt in Wärmeübertragern ab.
Worauf es bei Planung und Installation ankommt
Viele spätere Probleme lassen sich bereits in der Anfangsphase vermeiden. Eine stabile Druckhaltung ist dabei zentral. Zu kleine oder falsch eingestellte Membran-Ausdehnungsgefäße führen dazu, dass Luft und Sauerstoff in den Heizkreis gelangen oder regelmäßig Wasser verloren geht. Beides beschleunigt Korrosion.
Ebenso wichtig ist eine wirksame Entlüftung. Moderne Entgasungslösungen oder Mikroblasenabscheider sorgen dafür, dass Luft zuverlässig aus dem System entfernt wird. Ergänzend sollten Schlamm- und Magnetitabscheider eingesetzt werden, um Schmutzpartikel und ferromagnetische Bestandteile aus dem Wasser zu filtern.
Nicht zuletzt spielt die chemische Einstellung des Heizungswassers eine Rolle. Die Vorgaben der VDI 2035 bieten hierfür einen klaren Rahmen und helfen, Kalkbildung und Korrosion langfristig zu vermeiden.
Wartung nicht unterschätzen
Auch nach der Inbetriebnahme bleibt das Thema Wasserqualität aktuell. Komponenten wie das Membran-Ausdehnungsgefäß sollten regelmäßig geprüft werden. Empfohlen wird ein Intervall von etwa einem bis eineinhalb Jahren. Dabei wird kontrolliert, ob die Membran dicht ist und der Vordruck noch stimmt. Da Gase mit der Zeit durch die Membran diffundieren können, ist diese Prüfung entscheidend für die Betriebssicherheit.
Organisation und Know-how als Erfolgsfaktor
Für Betriebe bedeutet das: Technisches Wissen allein reicht nicht aus. Klare Wartungsabläufe und gut geschulte Mitarbeitende sind entscheidend, um Wärmepumpenanlagen über viele Jahre stabil zu betreiben. Regelmäßige Weiterbildungen helfen, typische Fehler bei Druckhaltung, Entlüftung oder Wasseraufbereitung zu vermeiden. Wer konsequent auf sauberes Systemwasser achtet, reduziert nicht nur Ausfälle und Reklamationen.
Quelle: shk-profi.de
